Angriff auf Twitter-Analyse-App führt zu Propagandaschwemme

Ein Hackerangriff hat in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. Auf zahlreichen, teils sehr prominenten Twitter-Accounts waren plötzlich türkische Propagandabotschaften in Verbindung mit Nazisymbolik, den Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda und der Botschaft „Wir sehen uns am 16. April“ aufgetaucht. An diesem Datum findet in der Türkei das von Präsident Erdogan angestrebte und vieldiskutierte Referendum zum Präsidialsystem statt. Zu den gehackten Konten zählen die offiziellen Accounts von Boris Becker, Klaas Heufer-Umlauf, ProSieben, Amnesty International, Welt, Forbes und Borussia Dortmund. Zwar liefern die geposteten Inhalte gewisse Hinweise, doch noch steht nicht fest, wer hinter den Attacken steckt. Wie die Hacker vorgegangen sind, ist dagegen inzwischen klar.

Zugangstor war die App „The Twitter Counter“, mit deren Hilfe Twitter-Nutzer einfach und schnell Statistiken und Analysen zu ihren Follower-Zahlen abrufen können. Um zu funktionieren, verlangt die App umfangreiche Zugriffsrechte auf den betreffenden Account. Nutzer mussten ihr Lese- und Schreibrechte zugestehen, wodurch die App nicht nur Tweets analysieren, sondern auch absetzen konnte – und genau hier lag das Problem, denn die Kriminellen mussten für ihren Plan nur noch den Drittanbieter hacken, was offenbar deutlich einfacher war, als Twitter direkt anzugreifen.

Der Fall zeigt ein Problem, das bei vielen Twitter-Accounts zur Gefahr werden kann, denn die Auswertungsmöglichkeiten von Drittanbietern sind für Social Media Manager natürlich interessant. Die Crux ist nur, dass man diesen Apps mindestens Leserechte für den eigenen Account einräumen muss, falls sie nicht, wie „The Twitter Counter“, auch noch direkt nach Schreibrechten verlangen. Insbesondere für Unternehmen können die Konsequenzen für die Reputation im Schadensfall gravierend sein, denn nicht nur offensichtliche Hacker-Angriffe wie in dieser Woche schaden dem Ruf. Auch für Werbespammer und zur Verbreitung von Schad-Software über verlinkte Webseiten ist ein solches Vorgehen durchaus denkbar.


Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Zugriffsreche auf seinen Twitter-Account so weit wie möglich einschränken und Schreibrechte vermeiden. Eine Liste der freigegebenen Apps ist in den Einstellungen abrufbar.

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