Intelligente Fertigung in der Automobilindustrie: Die Lösung heißt MES

Zur Überwachung der Produktion von Kraftfahrzeugen und Kfz-Spezialteilen gelten besondere gesetzliche Verordnungen. In den Vereinigten Staaten sind vor allem zwei Regulierungsbehörden wichtig: die zivile US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (National Highway Traffic Safety Administration, NHTSA) und die US-Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA). Die EPA überwacht die Fahrzeugemissionen.

Zu den wichtigen Bestimmungen für die amerikanische Automobilindustrie gehören:

  • Das TREAD-Gesetz. Das im Jahr 2000 verabschiedete TREAD-Gesetz (Transportation Recall Enhancement, Accountability and Documentation) wurde im Zusammenhang mit Todesfällen aufgrund von fehlerhaften Firestone-Reifen beim Ford Explorer verabschiedet.
  • 49 CFR Chapter V Part 573 – Haftung für Mängel, Non-Compliance und Berichte (Defect and Non-Compliance Responsibility and Reports)
  • 49 CFR Chapter V Part 577 – Mängel- und Non-Compliance-Meldung (Defect and Noncompliance Notification)
  • 49 CFR Chapter V Part 579 – Informations- und Kommunikationsberichte über potentielle Mängel (Reporting of Information and Communications about Potential Defects)
  • 49 CFR Chapter V Part 583 – Meldungen zum Gesetz über die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen (Automobile Labeling Act Reports). Demnach sind Hersteller verpflichtet, alle amerikanischen und kanadischen Autoteile zu kennzeichnen.

Obwohl die meisten Spezialautoteile nicht direkt durch einen US-Sicherheitsstandard abgedeckt sind, unterliegen sie dennoch der NHTSA-Aufsicht. Die Hersteller, Händler und Installationsbetriebe dürfen kein Produkt in Verkehr bringen oder installieren, welches die Konformität eines Fahrzeugs, das einem bundesweiten Sicherheitsstandard entspricht, willentlich beeinträchtigen würde. Dies wird als "das Verbot des Unwirksammachens" bezeichnet (make inoperative prohibition). So ist es beispielsweise illegal, farbige Glühbirnen in Verkehr zu bringen, bei denen die Farb- und Leistungsanforderungen der nationalen Beleuchtungsnorm nicht erfüllt werden. Ein Automobilhersteller muss außerdem die NHTSA benachrichtigen, wenn bei einem Autobauteil ein sicherheitsrelevanter Defekt festgestellt wurde. Die NHTSA wird dann mit dem Hersteller eine geeignete Korrekturmaßnahme, wie zum Beispiel eine Kundenbenachrichtigung und einen eventuellen Rückruf, erarbeiten. Die NHTSA ist zudem befugt, ihre eigenen Sicherheitsprüfungen vorzunehmen und kann bei der Nichteinhaltung von Sicherheitsnormen sowie anderen Vorschriften Bußgelder verhängen.


Auf internationaler Ebene ist ein Aufsichtsorgan WP.29 tätig. Das UNECE World Forum for Harmonization of Vehicle Regulations (WP.29) ist ein internationales Gremium für die Harmonisierung von Rechtsvorschriften für Kraftfahrzeuge, welches im institutionellen Rahmen des UNECE-Binnenverkehrsausschusses angesiedelt ist. Drei UN-Abkommen bilden den rechtlichen Rahmen, der es den an den WP.29-Sitzungen teilnehmenden Mitgliedsländern erlaubt, regulatorische Rechtsinstrumente im Bereich Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugausrüstung national zu etablieren.

Das UN-Reglement enthält Bestimmungen zur Sicherheit und Umweltverträglichkeit; Leistungsanforderungen und Testverfahren; sowie regelmäßige technische Inspektionen der im Einsatz befindlichen Fahrzeuge.

Automarkt: Originalhersteller und Zulieferer

Das oben dargestellte Diagramm ist ein gutes Beispiel für die Komplexität der Automobilindustrie, die einen Gesamtumsatz von 3 Billionen Dollar ausweist, über 1.622 Unternehmen umfasst und über 2,6 Millionen Menschen beschäftigt. 1,7 Billionen Dollar trägt alleine die Zulieferer-Branche bei – das entspricht in etwa der Hälfte des Gesamtwertes der Autoindustrie.

Auch wenn Originalhersteller (OEM) – z.B. die Endmontagebetriebe wie Ford, GM, Tesla usw. – zu namhaften Unternehmen gehören, sind gerade ihre Zulieferer für die Zuverlässigkeit und Qualität des Kfzs von entscheidender Bedeutung. Dies zeigt auch, warum das Supply-Chain-Management in dieser Industriesparte so wichtig ist – der Domino-Effekt eines defekten Bauteils auf einer Ebene allein, kann sich in der Endmontage als schwerwiegend herausstellen. Ein einziges Fahrzeug besteht aus über 30.000 Teilen! Es liegt also in der Verantwortung der OEMs, die Vertrauenswürdigkeit ihrer Lieferanten durch strenge Qualitätssicherungsmaßnahmen zu überprüfen, um so eventuelle Mängel der verbauten Bauteile zu minimieren.

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