Brandschutz

Willkürlich, zu teuer, nicht nachvollziehbar – manche Vorurteile gegenüber dem Thema Brandschutz halten sich hartnäckig. Planer und Sachverständige haben die Aufgabe, zu vermitteln, warum diese Kritikpunkte nicht gerechtfertigt sind. Sie müssen die nötigen Anforderungen, Gesetze und Richtlinien stets im Auge behalten – eine große Herausforderung, insbesondere bei denkmalgeschützten Immobilien. Zwei Beispiele aus dem heimischen Kammerbezirk des Ingenieurbüros BRENDEBACH verdeutlichen, wie komplex ein Projekt in der Umsetzung sein kann. Dabei kommt es stets auf ein perfektes Zusammenspiel zwischen dem Bauherrn, dem Architekten, dem Brandschutzsachverständigen, den Genehmigungsbehörden und allen weiteren involvierten Akteuren an.

Eine herausfordernde Konstellation ergab sich im Fall der Arbeiten rund um das Evangelische Gemeindehaus Hammerhütte in Siegen. „Hier standen sich verschiedene bedeutsame Interessen gegenüber“, blickt Architekt Matthias F. Krämer zurück. Der Hilchenbacher gehört zu den Ausführenden dieses Großprojektes und wusste von Beginn an um die besondere Ausgangslage, die allen Beteiligten ein hohes Maß an Akribie, kreativem Lösungsdenken und nicht zuletzt Kompromissbereitschaft abverlangte. Schließlich galt es bei diesem Objekt, Brand- und Denkmalschutz miteinander in Einklang zu bringen. Beide Aspekte waren wesentliche Bestandteile des Baugenehmigungsverfahrens. Zum Hintergrund: Der Evangelische Gemeinschaftsverband Siegen-Wittgenstein, Träger der Immobilie, hat im Jahr 2016 eine Kooperation mit der Universität Siegen angestrebt, um eine möglichst vollständige und dauerhafte Auslastung der Räumlichkeiten zu ermöglichen. Inzwischen ist das synergetische Projekt erfolgreich umgesetzt. Die Hochschule, die im Bereich der Innenstadt auf der Suche nach neuen Austragungsorten für ihre Lehrveranstaltungen war, hat einen Pachtvertrag signiert und beansprucht das Gebäude an fünf Tagen in der Woche für Vorlesungen und Seminare. An den Wochenenden findet die gewohnte sakrale Nutzung statt – sowohl im großen Saal als auch in den weiteren Räumen, die zum Beispiel für Gemeindearbeiten gedacht sind.


Im Vorfeld der eingeleiteten Umnutzung hatte das Objekt noch nicht der sogenannten Versammlungsstättenverordnung unterlegen, da diese bei einer rein kirchlichen Nutzung nicht greift. Normalerweise müssen für Gebäude oder Räume ab einer Kapazität von mehr als 200 Besuchern konkrete Vorgaben eingehalten werden, die im Wesentlichen in der Versammlungsstättenverordnung gesetzlich fixiert sind. Man spricht in solchen Fällen von einem großen Sonderbau. Für Gotteshäuser gelten diese Regularien des Bauordnungsrechts aber nicht. Daher konnten im Gemeindehaus Hammerhütte zuvor Gottesdienste mit bis zu 400 Personen stattfinden. Bei der Ertüchtigung der Immobilie im Zuge der teilweisen Umnutzung standen die Verantwortlichen nun vor der Aufgabe, alle notwendigen Arbeiten einzuleiten, um die zukünftige Doppelnutzung auf sichere Beine zu stellen. „Der Denkmalschutz verwehrt aus gestalterischen Gründen oftmals die Schritte, die der Brandschutz zwingend erfordert“, verdeutlicht Krämer die Schwierigkeiten.

Maßgeblichen Anteil am gelungenen Ablauf des Prozesses hatte das Siegener Büro der BRENDEBACH INGENIEURE GmbH. Geschäftsführer Tobias Dangendorf stand als kompetenter Brandschutzplaner vom ersten Tag an zur Verfügung. „Für den Bauherrn und uns als Architekten ist es unerlässlich, dass wir uns zu 100 % auf ein rundum wasserdichtes und tragfähiges Brandschutzkonzept verlassen können. Ansonsten ließe sich ohnehin kein einziger Auftrag jemals umsetzen“, ordnet Matthias Krämer ein. In enger Kooperation klärten die Partner, welche Maßnahmen zum Ziel führen können – stets in Zusammenarbeit mit den weiteren Beteiligten, unter anderem der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Siegen, die ihre Positionen wiederum mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster abstimmte, und besonders auch der Brandschutzdienststelle der Stadt Siegen.

Als Beispiele nennt der Architekt die Fensteranordnung und die Gestalt der Türen. Gerade der zweite Punkt habe beim Gemeindehaus Hammerhütte für Gesprächsbedarf gesorgt. Viele der Türen hatten eine historische Form und sollten laut den Denkmalschutzrichtlinien genauso bestehen bleiben, aber sie verfügten nicht über die nötige Brandschutzqualität. Daher war es etwa bei den Türen zum großen Saal und dem Zugang vom Treppenhaus auf dessen Empore notwendig, eine schutzzielorientierte Ertüchtigung dieser erforderlichen Abschlüsse zwischen Versammlungsraum und Treppenraum vorzunehmen, um die baurechtlich geschuldete Sicherung des Rettungsweges sicherzustellen. Dem konnte u. a. durch Austausch der alten Füllungen gegen Sicherheitsglas und Anbringen von qualifizierten Selbstschließmechanismen Rechnung getragen werden, ohne die Optik dieser historischen Bauelemente wesentlich zu beeinträchtigen. Zudem haben sich die handelnden Akteure bei den Fenstern kreative und nachhaltige Lösungen einfallen lassen – gemäß den Vorgaben, sie mit effizienten Rauch- und Wärmeabzugsöffnungen (RWA) zu versehen. Diese verfügen über Flügel, die sich im Ernstfall automatisch öffnen. „Die installierte Rauchmeldeanlage sorgt dafür, dass der Rauch sicher austreten kann“, erklärt Krämer.

Zwei weitere solcher Anlagen haben die Verantwortlichen im Bereich des Dachs anbringen lassen, die durch Abdeckgitter unterseitig in der Saaldecke quasi unsichtbar gemacht wurden aber gleichwohl jede Rauchentwicklung detektieren und sicher abführen. Die vollständige Ertüchtigung dieses Gebäudebereichs zählte zu den größten Herausforderungen des gesamten Projektes. Der aus einer Stahlkonstruktion und einem Holzflächentragwerk bestehende Dachraum war nur schwer zugänglich.

Bedeutsam zudem: die bauordnungsrechtlich erforderliche Gewährleistung zweier unabhängiger Rettungswege. „Diese müssen bei einer Versammlungsstätte beide baulicher Gestalt sein“, berichtet Matthias F. Krämer. „Schließlich ist es nicht praktikabel, hunderte Gäste im Notfall innerhalb kürzester Zeit auf andere Weise zu befreien, etwa per Feuerwehrleiter aus dem Fenster.“ Den Beteiligten sei es entgegengekommen, dass die Immobilie bereits über zwei separate Eingänge und Steintreppen zwischen gemauerten Treppenraumwänden verfügte. Der große Saal im oberen Geschoss lässt sich also gut erschließen und bei einer Brandsituation schnell verlassen. Durch den Einbau von zwei mit Sicherheitsglas versehenen Brand- und Rauchschutztüren ist das Foyer nun links und rechts zu den Treppenhäusern abgeschottet und brandschutztechnisch entkoppelt. „Die Wirkung des Raums bleibt gleich. Man kann das Foyer genau wie früher nutzen. Die einzige Veränderung für den Nutzer besteht darin, dass er sich über mehr Sicherheit freuen kann“, betont Krämer. Eine Brandübertragung ist somit ausgeschlossen. Das gilt nun auch für die Wohnung, die im oberen Geschoss des Gebäudes an den großen Saal angrenzt.

In nur wenigen Monaten Bauzeit gelang es schließlich, die Umnutzung des Gemeindehauses so umzusetzen, dass sowohl der Evangelische Gemeinschaftsverband Siegen-Wittgenstein als auch die Universität Siegen hier optimale Bedingungen für ihre jeweiligen Zusammenkünfte vorfinden.

Klinikservice Siegerland GmbH

80 Mitarbeiter, mehr als 6.000 zubereitete Speisen am Tag, ein insgesamt 5.800 m² großes Grundstück bei einem Gesamtinvest von 12 Mio. €. Es sind beeindruckende Zahlen, mit denen die neue Zentralküche der 2018 gegründeten Klinikservice Siegerland GmbH aufwartet. Im Januar dieses Jahres konnten die Verantwortlichen aus den Reihen des Kreisklinikums und der Marien Gesellschaft Siegen den Betrieb aufnehmen. Es gelang ihnen dadurch, ihre jeweils eigenen Küchen zusammenzulegen – ein zu Beginn ambitioniertes Vorhaben, dessen erfolgreiche Realisierung allen Beteiligten nachhaltig zugutekommt.

Dass die Arbeitsabläufe hier reibungslos und vor allem dauerhaft sicher vonstattengehen können, ist nicht zuletzt den umfassenden Vorabmaßnahmen in puncto Brandschutz zu verdanken. „Dieses Thema hat bei uns von Beginn an eine sehr hohe Priorität erfahren“, unterstreicht Projektleiter Uwe Moll. Um die technischen Hintergründe und den Gesamtkontext nachzuvollziehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit: Bis vor einigen Jahren war in dem Gebäude in der Daimlerstraße eine namhafte Großbäckerei angesiedelt. Ein glücklicher Zufall sorgte später für die Umnutzung. Die beiden heimischen Krankenhäuser waren auf der Suche nach einem geeigneten Standort, an dem sie ihre Kräfte bündeln und fortan gemeinsame Wege gehen konnten. Über persönliche Kontakte eines der Planer gelang es schließlich, die Gespräche zu konkretisieren, sodass die Entscheidung schnell fiel. Ein Investor übernahm die Finanzierung. Die beteiligten Kliniken haben die Immobilie als Pächter angemietet. „Zu einem festgelegten Zeitpunkt wird sie dann in unser Eigentum übergehen“, schildert Moll.

Beim Brandschutz galt es für die Initiatoren, eine ganze Reihe bedeutender Faktoren zu berücksichtigen, wie Uwe Moll verdeutlicht. „Wichtig ist zunächst einmal, dass man im Zuge einer Nutzungsänderung ganz andere Dinge beachten muss als bei einem Neubau. Denn über viele Gegebenheiten bestimmt man in einem solchen Fall nicht selbst. Sie sind bereits gegeben.“ Jede Maßnahme zum vorbeugenden Brandschutz setzte die Klinikservice Siegerland GmbH in enger Abstimmung mit der Siegener Berufsfeuerwehr um. Planungsverantwortlich für den Brandschutz war BRENDEBACH INGENIEURE GmbH, die während der gesamten Bauphase, die sich über rund 15 Monate erstreckte, mit von der Partie war und in dieser Zeit stets in Kontakt mit der Feuerwehr Siegen agierte.

Nach einer umfassenden Einweisung in die Gegebenheiten vor Ort hat man alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen. Eine klassische Brandmeldeanlage etwa war hier baurechtlich nicht erforderlich. Stattdessen installierte man in allen Verwaltungsräumen funkvernetzte Rauchmelder. In der Produktion sind diese nicht nötig. Um der Feuerwehr im Ernstfall einen optimalen Ablauf zu ermöglichen, haben Uwe Moll und seine Mitstreiter einen entsprechenden Angriffsweg erarbeitet. „Hinter der Tür finden die Einsatzkräfte alle notwendigen Hilfsgeräte, sodass sie sofort loslegen können“, erklärt der Projektleiter. Obligatorisch sei dies nicht gewesen. „Aber wir haben es sehr gerne freiwillig so umgesetzt. Die Feuerwehr bestmöglich dabei zu unterstützen, Leben zu retten, ist für uns selbstverständlich.“

Darüber hinaus war bei den Planungen eine weitere logistische Besonderheit zu berücksichtigen. Diese betrifft ganz konkret den Bereich der Produktion, den die Verantwortlichen vollständig in die bestehende Halle integriert haben. „Zwischen unseren Kühldecken und der Decke befindet sich ein Hohlraum von bis zu zwei Metern. Wir mussten also eine kreative Lösung finden.“ Gesagt, getan: Isolierte Kanäle führen den Rauch nun ab. Dieser mündet über dem Dach in eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage, sodass der Hohlraum frei bleibt.

Bei einer solch großen Organisationseinheit wie der Siegener Zentralküche ist es wichtig, in allen zu schützenden Bereichen ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten. Eine den modernsten Standards entsprechende Brandwand erstreckt sich durch das gesamte Objekt. „Dabei ist maximale Akribie gefragt, denn natürlich können schon kleinste Öffnungen verheerende Folgen nach sich ziehen“, erläutert Uwe Moll. Brandschutztüren sorgen dafür, dass bestimmte Bereiche von Feuer, Brandgasen und Hitze abgeschottet sind. Diese Türen verfügen über integrierte Rauchmelder. „Sobald sie Rauch detektieren, löst sich ein Magnet und die Tür fällt zu.“ Auch mechanische Türen sind installiert.

Da das Gebäude eine Vielzahl von Ausgängen aufweist, können sich die Anwesenden im potenziellen Gefahrenfall schnell befreien. Die Beschäftigten regelmäßig über Risiken und mögliche Problemlösungen zu informieren, ist Uwe Moll ein bedeutendes Anliegen. „Wir schulen unser Personal jährlich“, unterstreicht der Projektleiter. Theoretischer Input gehöre genauso dazu wie die praktische Probe aufs Exempel. Im kommenden Jahr wird ein sogenannter Fire-Trainer vor Ort sein und mit den Mitarbeitern anhand eines realen Brandes unter geschützten Bedingungen den Ernstfall simulieren. „Manch einer scheut sich vor dem Einsatz eines Feuerlöschers“, erklärt Moll. Dieser Angst könne man mit Aufklärung erfolgreich begegnen. „Der große Vorteil hier – im Gegensatz zu unseren Krankenhäusern – besteht natürlich darin, dass alle Beteiligten mobil sind und schnell reagieren können, wenn etwas passiert.“

Der Schutz der Menschen vor Ort erfahre freilich die höchste Priorität. Darüber hinaus gelte es, die besonders anfälligen und wertvollen technischen Gerätschaften zu schützen – von der im Außenbereich angebrachten Lüftungsanlage bis zu der mit Butan betriebenen und somit potenziell hochexplosiven Kälteanlage. „Diese Gefahrenquellen sind uns bewusst. Entsprechend sorgsam gehen wir mit ihnen um.“

Über die BRENDEBACH INGENIEURE GmbH

BRENDEBACH INGENIEURE GmbH wurde 1973 aus einem kleinen Ingenieurbüro gegründet und ist heute ein mittelständisches Familienunternehmen. Der Hauptsitz ist in Wissen. Es gibt je eine Niederlassung in Siegen, in Troisdorf und in Montabaur. Mit mehr als 80 Mitarbeitern unterstützt BRENDEBACH INGENIEURE kompetent und flexibel, und schafft intelligente Ingenieurlösungen in seinen Kernkompetenzen Hochbau, Tiefbau und Sachverständigenwesen. Bearbeitet werden regionale und überregionale Projekte aller Größenordnungen.

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