Unternehmen, Behörden, Krankenhäuser, Verwaltungen, Kommunikation, Produktion – ohne funktionierende digitale Infrastruktur geht heute kaum noch etwas. Und trotzdem behandeln wir sie oft noch so, als wäre sie vor allem ein Thema für die IT-Abteilung. Ist sie aber längst nicht mehr.
Die eigentliche Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob wir uns mit Datensicherheit, Rechenzentren und digitaler Souveränität beschäftigen müssen, sondern wie schnell.
Denn je digitaler wir werden, desto größer wird auch unsere Abhängigkeit. Von Leitungen, von Rechenleistung, von Cloud-Anbietern. Und am Ende auch von der ziemlich simplen Frage: Wissen wir eigentlich noch, wo unsere Daten liegen und wer darüber bestimmt?
Darüber habe ich bei einem Kaffee mit Jan Lange gesprochen.
Die unsichtbare Abhängigkeit
Jan Lange ist Geschäftsführer von TelemaxX. Das Unternehmen wurde 1999 von kommunalen Energieversorgern gegründet und betreibt heute ein rund 2.400 Kilometer langes Glasfasernetz sowie vier eigene Rechenzentren in Karlsruhe und Umgebung. 150 Menschen arbeiten dort.
Jan Lange führt viele Gespräche mit mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern in Baden-Württemberg. Menschen, die ihre Firmen über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut haben. Firmen, bei denen gerade etwas passiert, sagt er, und bei denen das Bewusstsein dafür wächst, dass Unternehmensdaten nicht einfach irgendwo liegen sollten.
Cyberangriffe beschleunigen diese Erkenntnis. Server werden verschlüsselt, Daten gestohlen, Lösegeld gefordert. Und irgendwann steht die Frage im Raum: Bin ich eigentlich ausreichend geschützt?
Jan Langes Antwort fällt häufig ernüchternd aus: eher nicht.
Wo sind die Daten eigentlich?
Wo genau liegen die Daten eines Unternehmens? Über welche Infrastruktur laufen sie? Wer kann darauf zugreifen? Und was passiert, wenn ein Dienstleister auf der anderen Seite des Atlantiks Probleme bekommt?
Digitale Souveränität ist ein Schlagwort, das schnell nach Strategiepapier klingt. Bei TelemaxX wird daraus eine ziemlich konkrete Angelegenheit. Das Unternehmen versucht, möglichst viel davon selbst abzubilden: die Glasfaser vom Unternehmen ins Rechenzentrum, die Serverinfrastruktur und die Cloud. Daten sollen innerhalb Deutschlands gespeichert und übertragen werden.
Jan Lange nennt das eine integrierte Lösung. Man könnte auch sagen: Man möchte möglichst wenige unbekannte Mitspieler im System haben.
Der Keller hat ein Imageproblem
Gerade im Mittelstand begegnet Jan Lange noch einer anderen Vorstellung: Wenn der Server im eigenen Keller steht, dann ist er sicher. Schließlich weiß man, wo er ist. „Das ist genau das Gegenteil von sicher“, sagt Jan Lange. „Technisch ist ein Umzug ins Rechenzentrum heute kaum das große Problem. Schwieriger ist es manchmal, das Denken zu verändern. Denn der Server im Keller hat etwas Beruhigendes. Er steht da. Man könnte ihn theoretisch anfassen.“
Cloud und Rechenzentrum klingen dagegen erst einmal nach Kontrollverlust. Jan Lange argumentiert genau andersherum: Professionelle Rechenzentren seien auf Sicherheit, Redundanz und Verfügbarkeit ausgelegt. Und wer trotzdem möglichst viel selbst machen möchte, kann das bei TelemaxX weiterhin tun. IT-Mitarbeitende können eigene Server im Rechenzentrum betreiben. Wer später entscheidet, dass TelemaxX mehr übernehmen soll, kann auch das tun.
Deutschland braucht Datenbahnhöfe
Spätestens beim Thema Künstliche Intelligenz wird klar, dass es künftig nicht gerade weniger Rechenleistung brauchen wird. Im Gegenteil. Große Anbieter bauen enorme Rechenzentren auf, um die dafür notwendige Leistung bereitzustellen. Jan Lange glaubt trotzdem nicht daran, dass künftig alles in wenigen gigantischen Anlagen verschwinden wird. „Es wird daneben weiterhin regionale Rechenzentren brauchen.“
Er nennt sie „Datenbahnhöfe“. Ein schönes Bild eigentlich. Daten kommen an, werden verarbeitet, gespeichert, weitergeleitet. Ähnlich wie Züge an einem Bahnhof ankommen, Menschen umsteigen und weiterfahren.
TelemaxX will solche Infrastrukturen weiter ausbauen. Das eigene Glasfasernetz soll auf 400 Gigabit/s erweitert werden. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in die Leistungsfähigkeit seiner Rechenzentren und in deren KI-Tauglichkeit. „Denn irgendwann“, erklärt Lange, „ist gar nicht mehr die Fläche das Problem. Sondern der Strom.“
Dass die Gesellschafter von TelemaxX kommunale Energieversorger sind, ist an dieser Stelle zumindest praktisch.
Nicht jeder Hype braucht Milliarden
Wer über Technologie spricht, landet irgendwann automatisch bei der Frage, ob Deutschland schnell und mutig genug ist. Oder irgendwo schon wieder hinterherhinkt. Jan Lange sieht das erstaunlich gelassen. „Karlsruhe hat mit KIT, Hochschulen, Fraunhofer-Instituten und einer hohen Dichte technologieaffiner Unternehmen hervorragende Voraussetzungen. Wir bekommen auf offene Stellen regelmäßig viele Bewerbungen.“
Und auch der gern gezogene Vergleich mit anderen aufstrebenden Technologiezentren scheint ihn nicht sonderlich nervös zu machen. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, sagt er. Ein Satz, der in der Tech-Welt fast schon subversiv klingt. „Nicht jedem Trend hinterherlaufen. Erst einmal das gut machen, was man kann. Dann mehr davon.“
Jan Lange stellt durchaus die Frage, ob jede Milliardeninvestition irgendwann tatsächlich den versprochenen Return bringt. Das klingt zwar weniger spektakulär als „Move fast and break things“. Dafür ist es aber vermutlich eine ganz brauchbare Haltung, wenn man Infrastruktur betreibt, von der andere Unternehmen erwarten, dass sie gerade nicht kaputtgeht.
Ein Netzwerk ist kein Selbstzweck
Auch beim CyberForum ist Jan Lange ziemlich klar in dem, was er und sein Unternehmen sich von einem Netzwerk versprechen. „TelemaxX ist seit vielen Jahren Mitglied und inzwischen Sponsor. Gemeinsame Veranstaltungen, Workshops, Austausch, Sichtbarkeit – das ist alles wichtig“, sagt er. Aber am Ende darf daraus auch Geschäft entstehen. Für Jan Lange ist das CyberForum ein Ort zum Kennenlernen und Austauschen, aber auch ein Business-Netzwerk. Und ein solches Netzwerk darf Unternehmen ruhig zusammenbringen – ganz konkret. Bei mehr als tausend Mitgliedern sieht er da noch Potenzial.
Vielleicht ist digital manchmal ziemlich analog
Klar, auch bei TelemaxX geht es um Gigabit, KI-fähige Rechenzentren und eine Infrastruktur, die immer leistungsfähiger werden muss. Mit einem wichtigen Zusatz: „Bei TelemaxX im Support sitzen Menschen in Karlsruhe. Unsere Kunden müssen nicht erst an einem KI-Assistenten vorbei. Und wenn ein Kunde ein persönliches Gespräch möchte, versuchen wir, am nächsten Tag da zu sein.“
Das sagt über TelemaxX mindestens so viel aus wie die Zahl der Server oder die Länge des Glasfasernetzes. Denn ausgerechnet dort, wo immer mehr automatisiert, ausgelagert und in die Cloud verschoben wird, setzt TelemaxX auf etwas ziemlich Bodenständiges: persönlich erreichbar bleiben.
„Wir sprechen mit unseren Kunden auf Augenhöhe“, sagt Jan Lange. Die Technik darf kompliziert sein. Das Verhältnis zum Kunden nicht.
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