Zentralbanken und KI am Ruder

Im September gerieten die globalen Anleihemärkte angesichts von Inflationssorgen und einer restriktiveren Geldpolitik der Zentralbanken unter Druck, während die Aktienmärkte dank starker Konjunkturdaten und Unternehmensgewinne sowie eines wiedererwachten Optimismus rund um KI relativ ruhig blieben.

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere hat sich die durchschnittliche Rendite globaler Staatsanleihen auf fast 4 % zubewegt – den höchsten Stand seit 2007. Die Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbanken und deren restriktiver Ton schürten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen. Dies trieb das kurze Ende der Kurve nach oben; die Zinskurven flachten ab. Der steigende Finanzierungsbedarf von Staaten und Unternehmen hält außerdem die Renditen am langen Ende auf hohem Niveau.

Die Ölpreise werden weiterhin von den aktuellen Nachrichten bestimmt. Der Brent-Preis stieg auf 105 US-Dollar, bevor er wieder in Richtung 90 US-Dollar nachgab. Für die Rohstoffmärkte wird es zunehmend wichtiger, zu verstehen, ob die Bemühungen um eine Umleitung der Lieferwege im Nahen Osten ausreichen werden.

Die Aktienmärkte zeigten sich weniger volatil. Die Belastungen durch höhere Zinsen wurden teilweise durch erneuten Optimismus hinsichtlich des KI-Themas im Zusammenhang mit neuen Produkteinführungen, anhaltenden Infrastrukturausgaben und positiven Gewinnzahlen ausgeglichen.

Mit Blick auf die Zukunft konzentrieren wir uns auf folgende Themen:

  • Geopolitische Entwicklungen und Inflationserwartungen: Die Spannungen im Nahen Osten haben zugenommen, und das Risiko einer kurzfristigen regionalen Eskalation bleibt bestehen. Zukünftig wird erwartet, dass der Brent-Preis bis Anfang 2027 in Richtung 80 US-Dollar nachgeben wird. Erdgas stellt weiterhin ein eigenständiges Risiko dar, da das Angebot an Flüssigerdgas (LNG), die Lagerbestände und die Umleitungskapazitäten stärker beschränkt sind. Europa sieht sich größeren Wachstumsrisiken ausgesetzt, wenn die Gasvorräte nicht wieder aufgefüllt werden, da es von Importen abhängig ist und nur über begrenzte alternative Versorgungswege verfügt. Die Auswirkungen der Konflikte im Nahen Osten und in Russland und der Ukraine sind weiterhin eng miteinander verflochten, was Folgen für Raffinerieprodukte hat. Störungen bei den Getreideexporten aus Russland und der Ukraine verstärken die Sorgen um die Lebensmittelpreise, ebenso wie die potenziellen Auswirkungen eines Super-El-Niño auf die Ernten. In diesem Szenario erwarten wir, dass sich die Inflation als hartnäckiger erweisen wird.
  • Reaktionsfunktion der Zentralbanken: Der erneute Druck auf die Energiepreise hat die Inflation hartnäckiger werden lassen und die großen Zentralbanken dazu veranlasst, ihre Leitzinsen mit einer restriktiven Ausrichtung anzuheben. Dies spiegelt die umfassenden Bemühungen der großen Zentralbanken wider, die andauernde Inflation zu bekämpfen und ihre Glaubwürdigkeit zu stärken. Wir erwarten keinen lang anhaltenden Straffungszyklus in den verschiedenen Regionen, doch die Unsicherheit bleibt hoch. Für
  • die Zukunft halten wir eine Neubewertung der Reaktionsfunktion der Zentralbanken in drei Dimensionen für erforderlich: Fortbestehen der Inflation und indirekte/Zweitrundeneffekte; Widerstandsfähigkeit des Wachstums und die Schwelle, ab der die Zentralbanken auf eine nachlassende Nachfrage reagieren würden, einschließlich der Auswirkungen auf Investitionen und KI-bezogene Kapitalausgaben; sowie die finanziellen Rahmenbedingungen unter Berücksichtigung der Straffung am langen Ende der Kurve und bei den Kreditbedingungen, anstatt den Leitzins isoliert zu betrachten.
  • Zunehmendes Interesse an der Monetarisierung von Investitionsausgaben: Das Umfeld mit „länger anhaltend höheren Zinsen“ und der Wettbewerb um Kapital machen Investitionsdisziplin entscheidend. Bevorstehende Börsengänge werden ein wichtiger Test sein. Die USA bleiben die wichtigste Quelle. Die Emissionen in Hongkong liegen bereits über dem Vorjahresniveau und konkurrieren mit China, während es in Europa weiterhin ruhig bleibt. Die Börsengänge konzentrieren sich zunehmend auf Halbleiter, Energie- und Rechenzentrumsinfrastruktur sowie auf Unternehmen, die die KI-Nachfrage bereits in Umsatz umwandeln. Auch das Kreditangebot ist hoch. Die Emissionen von US-Investment-Grade-Anleihen sind in diesem Jahr stark angestiegen, angeführt von KI-bezogenen Investitionen. Wir gehen davon aus, dass sie hoch bleiben und sich auf Europa ausweiten werden. Kurzfristig dürfte die Verschuldungsquote weitgehend stabil bleiben, da das Gewinnwachstum den Anstieg der Nettoverschuldung teilweise ausgleichen dürfte. Insgesamt deutet dies auf einen zunehmend selektiven Ansatz in Bezug auf KI hin, auch wenn die Credit Spreads kurzfristig wahrscheinlich relativ stabil bleiben werden.

In diesem Umfeld legen wir weiterhin großen Wert auf Diversifizierung und Selektivität bei einer insgesamt leicht risikofreudigen Haltung.

Unsere Einschätzungen zu den Anlageklassen:

  • Bei festverzinslichen Wertpapieren bleiben wir bei einer nahezu neutralen Haltung hinsichtlich der Duration in den USA und behalten unsere Präferenz für Anleihen mit mittlerer Laufzeit bei, während wir am langen Ende der Kurve weiterhin vorsichtig bleiben. In der Eurozone bleiben wir hinsichtlich der Duration konstruktiv, bevorzugen Peripherieländer gegenüber Kernländern und setzen zudem auf eine Steilstellung der Kurve. In Großbritannien bestätigen wir eine leicht positive Haltung zur Duration bei einer neutralen Position zur Kurvenform, während wir in Japan unsere vorsichtige Haltung aufgegeben haben und nun neutral sind. Im Bereich der Unternehmensanleihen bleiben wir insgesamt leicht konstruktiv und bevorzugen globale Investment-Grade-Anleihen.
  • Bei Aktien konzentrieren wir uns weiterhin auf widerstandsfähige Sektoren und Bilanzwachstum. Strategisch bleiben wir gegenüber den USA vorsichtig, während wir unsere langfristig positive Einschätzung für Europa beibehalten, das hinsichtlich Gewinnen, Bewertungen und Diversifizierung attraktiv erscheint. Gegenüber Japan sind wir angesichts des starken Gewinnwachstums und angemessener Bewertungen konstruktiv eingestellt. Wir bleiben gegenüber den Schwellenländern konstruktiv, auch wenn wir die Bedeutung der Dynamik bei den KI-Investitionen für die Aktienindizes zur Kenntnis nehmen. In einem Markt, der von KI, Unsicherheiten bei den Energiepreisen und Umleitungen geprägt ist, glauben wir, dass lateinamerikanische Aktien eine Diversifizierung bieten können, gestützt durch attraktive Bewertungen und eine sich verbessernde politische Dynamik.
  • Im Multi-Asset-Bereich bleiben wir leicht risikofreudig, wobei wir regionale Diversifizierung, Selektivität und Carry-Erträge gegenüber starken Trendpositionen bevorzugen. Für Aktien sind wir weiter leicht positiv eingestellt, gestützt durch starkes Gewinnwachstum, ein widerstandsfähiges globales Wachstumsumfeld und unsere Erwartung eines moderaten, nicht lang anhaltenden Straffungszyklus. Im Devisenbereich bevorzugen wir weiterhin Schwellenländerwährungen mit höherem Carry. Bei den Rohstoffen bestätigen wir unsere positive Einschätzung für Gold, da mittel- bis langfristig unterstützende Faktoren bestehen bleiben, darunter expansive Fiskalpolitik, Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der Verschuldung sowie die Diversifizierung der Reserven.

Quelleninformationen und weitere Angaben finden Sie in den Global Investment Views sowie im Amundi Research Center.

Quelle: Amundi. Sofern nicht anders angegeben, Stand: 06.10.2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen. Herausgeber: Amundi Deutschland GmbH, Arnulfstraße 124–126, D-80636 München. Die Informationen wurden mit der im Geschäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt zusammengestellt und entstammen Quellen, die Amundi Asset Management zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für zuverlässig hält. Amundi Asset Management übernimmt keinerlei Haftung für jedwede Fehler oder Versäumnisse und schließt ausdrücklich jegliche Haftung für jedwede Fahrlässigkeit und Vorsatz aus. Dies gilt neben dem Empfänger dieser Informationen auch gegenüber weiteren Personen, die diese Informationen möglicherweise verwenden. Der Ausschluss der Haftung bezieht sich auf sämtliche Verluste sowie unmittelbare Schäden und Folgeschäden.

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