Welch hohe Bedeutung diese Sichtbarkeit für die Rückgabe hat, macht auch das neue Plan E-Trendbarometer 2026 deutlich. Die vom unabhängigen Forschungsinstitut mindline durchgeführte Studie belegt: Leicht erreichbare Rückgabestellen und attraktive Angebote können die feste Absicht, Elektro-Altgeräte abzugeben, nahezu verdoppeln.
Im untersuchten Ausgangsszenario geben 18 Prozent der Befragten an, ihre ausgedienten Elektrogeräte innerhalb der nächsten vier Wochen „bestimmt“ zurückzugeben. Unter optimierten Bedingungen steigt dieser Anteil auf 35,4 Prozent. Selbst ohne finanziellen Anreiz lässt sich die feste Abgabeabsicht um 6,8 Prozentpunkte steigern.
„Wir wissen aus unserer langjährigen Aufklärungsarbeit, dass Wissen allein noch kein Verhalten verändert. Mit dem neuen Plan E-Trendbarometer wollten wir deshalb herausfinden, welche Bedingungen Menschen tatsächlich zur Rückgabe ihrer Elektro-Altgeräte bewegen. Die Ergebnisse zeigen: Wir können richtiges Entsorgungsverhalten gezielt erleichtern. Entscheidend ist, dass Rückgabewege zum Alltag der Menschen passen – und nicht umgekehrt“, erklärt Dr. Andrea Menz, Generalbevollmächtigte der stiftung ear.
Kurze Wege zählen: Der Handel ist ein wichtiger Teil der Rückgabeinfrastruktur
Besonders deutlich wird die Bedeutung alltagsnaher Rückgabeangebote beim Blick auf den Handel. Zwar haben 76 Prozent der Befragten, die in den vergangenen sechs Monaten Elektrokleinschrott abgegeben haben, dafür einen Wertstoff- oder Recyclinghof genutzt. Nur zehn Prozent nutzten den Elektrofachhandel und acht Prozent den Lebensmitteleinzelhandel.
Dennoch hat die Verfügbarkeit dieser zusätzlichen Rückgabewege einen erheblichen Einfluss auf die Abgabeabsicht. Fallen Elektrofachmärkte und Lebensmitteleinzelhandel im untersuchten Szenario als Rückgabemöglichkeiten weg, sinkt die feste Abgabeabsicht von 18 auf sieben Prozent.
Der Grund: Die Rückgabe beim Einkauf lässt sich unkompliziert in bestehende Alltagswege integrieren. Das ist besonders relevant, weil für 40 Prozent der Befragten der nächste Wertstoffhof mindestens fünf Kilometer entfernt liegt.
Attraktive Angebote wirken stärker als die Androhung von Strafen
Ein weiteres Ergebnis der Studie überrascht: Sanktionen zeigen im untersuchten Szenario kaum Wirkung. Selbst die Aussicht auf ein Bußgeld von bis zu 500 Euro verändert die feste Abgabeabsicht praktisch nicht.
Deutlich stärker wirken dagegen positive Angebote. Ein zusätzlicher Sammelcontainer im Wohnviertel erhöht die feste Abgabeabsicht um 3,1 Prozentpunkte. Ein Händlergutschein über fünf Euro bewirkt ein Plus von 6,7 Prozentpunkten, eine Barauszahlung in gleicher Höhe sogar 10,5 Prozentpunkte.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass attraktive, leicht erreichbare Rückgabemöglichkeiten und zusätzliche Anreize mehr bewirken können als die bloße Androhung von Sanktionen.
E-Schrott-Tonne direkt vor der Haustür? Entscheidend ist die Bequemlichkeit
Wie groß der Einfluss möglichst kurzer Wege sein kann, zeigt ein zusätzliches Szenario der Studie. Die Befragten sollten sich vorstellen, Elektrokleingeräte direkt zu Hause in einer eigenen, kostenlosen Sammeltonne entsorgen zu können – mit regelmäßiger Abholung und ohne zusätzlichen Weg.
In diesem Szenario steigt die feste Abgabeabsicht von 18 auf 33,6 Prozent. Damit ist die maximale Bequemlichkeit der stärkste einzeln untersuchte Hebel.
Doch die Studie zeigt auch: Eine eigene E-Schrott-Tonne ist nicht zwangsläufig die Lösung. Ein großer Teil der Menschen, die durch dieses Angebot zur Rückgabe motiviert würden, lässt sich auch durch eine gezielte Verbesserung bestehender Rückgabewege erreichen.
Vom Wissen zum Handeln: Kreislaufwirtschaft muss alltagstauglich sein
Mit dem Plan E-Trendbarometer 2026 geht die stiftung ear einen neuen Weg. Während die bisherigen Untersuchungen vor allem Wissen und Einstellungen zur Elektroaltgeräte-Entsorgung erfassten, untersucht die aktuelle Studie erstmals systematisch, unter welchen Bedingungen aus einer guten Absicht konkretes Handeln werden kann.
Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Kommunen, Handel, Hersteller, Entsorgungswirtschaft und Politik. Denn eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht nicht zwangsläufig ein völlig neues Rückgabesystem. Vielmehr kommt es darauf an, bestehende Strukturen konsequent an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten: erreichbar, alltagsnah, sichtbar, verständlich und bequem.
Die zentrale Erkenntnis des Plan E-Trendbarometers 2026: Wer mehr Elektro-Altgeräte zurück in den Kreislauf bringen möchte, muss nicht nur zum richtigen Handeln aufrufen, sondern die Voraussetzungen dafür schaffen.
Über die Studie
Das Plan E-Trendbarometer 2026 wurde vom unabhängigen Forschungsinstitut mindline im Auftrag der stiftung elektro-altgeräte register durchgeführt. Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung von 1.000 Menschen mit Wohnsitz in Deutschland. Mithilfe eines Conjoint-Verfahrens wurden unterschiedliche Rückgabeszenarien untersucht und die jeweiligen Bedingungen systematisch verändert. Ergänzende qualitative Gruppendiskussionen vertiefen die Ergebnisse.
Die ausgewiesenen Prozentwerte beziehen sich auf die erklärte feste Abgabeabsicht der Befragten („bestimmt“). Sie sind nicht mit tatsächlich gemessenen Rückgabemengen gleichzusetzen. Das Szenario einer eigenen kostenlosen E-Schrott-Sammeltonne wurde separat untersucht.
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